Die Schildbürger-Stadt Rosenheim und ihre Sicherheitswacht

Sicherheitswacht

Bereits seit 1995 im Einsatz, geriet die Rosenheimer Sicherheitswacht in den letzten Jahren wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Während die ehrenamtlichen Hilfspolizisten auf den lokalen Provinzblättern in aller Maßlosigkeit glorifiziert, verehrt und wie Helden gefeiert werden, wollen wir uns erlauben, deren Umtriebe einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ihre Aufgabe solle eine Verbesserung der Sicherheitslage, eine Vorbildfunktion für die Bürger und die Verständigung der Polizei im Falle von Straftaten sein. Weiter sollen sie sich im letztgenannten Falle als Zeugen zur Verfügung stellen. Klingt ja so weit erst einmal ganz vernünftig. Befasst man sich allerdings ein wenig mit der Thematik, wird schnell klar, dass in jüngster Vergangenheit, bis auf wenige Ausnahmen, hauptsächlich Bürger wegen irgendwelcher Bagatelldelikte denunziert und kriminalisiert wurden.

Mehr Bagatellen, als Straftaten

So wurden etwa mehrfach gefährliche Joint-Raucher zur Strecke gebracht oder Obdachlosen, die in Parks gegen Alkoholverbote verstoßen hatten, wurde rigoros das Handwerk gelegt. Auch ein 18-Jähriger, der „hochprozentigen Alkohol“ (vermutlich drei kleine Feiglinge) an Jugendliche überreicht haben soll, wurde dingfest gemacht. Sogar von der heldenhaften Ergreifung von „Junkies“ im Salingarten und von „Gangstern“ ist die Rede. In Wahrheit handelt es sich meist um verzweifelte oder hilflose Menschen, die wenig zu verlieren haben und durch das unsoziale Handeln der ach so heldenhaften Sicherheitswachtler, noch weiter ins Elend getrieben werden.

Wenn man sich die teils schwer ergrauten und beleibten Leberkasgesichter ansieht, wird schnell klar, dass diese schon rein körperlich niemals in der Lage wären, echte Kriminelle zu stellen. Das gezeichnete Bild der Lokalpresse, von Heldinnen und Helden, die mit Superkräften ausgestattet durch die Nacht streifen, entspricht nicht der Realität. Stattdessen fühlt man sich an die systematische Obdachlosenkriminalisierung aus dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte erinnert. Die Sicherheitswacht macht sich hier bestenfalls zum Handlanger für kleinbürgerliche Gängelung, bis hin zur politischen Verfolgung.

Sicherheitswacht

Unter anderem soll sie wohl als verlängerter Arm der Stadt Rosenheim dienen, um das Milieu der finanziell Schwachen mittels unverhältnismäßiger Kriminalisierung auszumerzen. Oder um Halbstarken, aufgrund von Dummheiten, die ansonsten unbemerkt geblieben wären, die Zukunft zu verbauen. Ein normaler Mensch benötigt für sein Sicherheitsgefühl keine bedingungslos überbewerteten und uniformierten Dünkel, die ihre Mitmenschen wegen jeder Belanglosigkeit bei der Polizei anschwärzen. Eher das Gegenteil ist wohl der Fall. Die angebliche „Vermittlung von Zivilcourage“ läuft hier völlig am Ziel vorbei. Sich Leuten zu widmen, die anderen ernsthaft schaden, müsste zur ausschließlichen Priorität erklärt werden. Die Sicherheitswachtler sollten daher in ihrer Kompetenz eher auf das Auffinden von Alkoholleichen, das Maßregeln von herum grölenden Betrunkenen oder das Markieren von Hundehaufen und die Ermittlung derer Übeltäter beschränkt werden.

Seit 2015 hoher Zulauf bei der Sicherheitswacht

Angesichts einer derart hohen Kriminalitätsrate im Stadtbereich, bedarf es natürlich dringend einer Sicherheitswacht, um das Sicherheitsbefinden einiger spießbürgerlicher Gesellen zu befriedigen. Im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise erhielten die Sicherheitswachtler, „deren aufmerksamen Augen nichts entgeht“, einen drastischen Zulauf. Hier mehrt sich der Verdacht, dass einige dieser selbst ernannten Hilfssheriffs dem Spektrum der Besorgten Bürger zuzuordnen sind. So stach im September 2018 ein Mitglied der Rosenheimer Sicherheitswacht besonders heraus, als es im Verdacht stand, zusammen mit zwei Bundespolizisten den Hitlergruß gezeigt zu haben. Weiter sollen volksverhetzende Parolen getätigt worden sein, die dann später als „Tischgespräche unter Alkoholeinfluss“ verharmlost wurden.

Rosenheim, das Potemkinsche Dorf

Es scheint gar, als wäre einer der Hobbydenunzianten nun selbst dem bornierten Denunziantentum zum Opfer gefallen. Blöd gelaufen, kann man da nur sagen. Wenn man weiß, dass derartige Leute in der Stadt patrouillieren, fühlt man sich doch gleich viel sicherer. Man äußert zwar nach außen hin, dass „Möchtegern-Polizisten“ und „Rambos“ bei der Sicherheitswacht nichts verloren hätten, jedoch lässt der vorliegende Fall Zweifel an einer ernsthaften Überprüfung der Eignungskriterien aufkommen. Da hilft es auch nichts, wenn der Rosenheim Kopp sich grinsend mit einer nett aussehenden Dame der Sicherheitswacht repräsentativ ablichten lässt. Wie fast alles scheint auch dieses Thema in Rosenheim mehr Fassade zu sein, um den Menschen ein verbessertes Sicherheitsgefühl vorzugaukeln. Wenn sich das nicht mal positiv auf die Bewertung von Immobilien im Stadtbereich auswirkt. Dafür stellt man mündige Bürger, wie ein Rudel Kindergartenkinder, kurzerhand unter Dauerüberwachung.

Der diabolische Plan der Oberbürgermeisterin, die Stadt vollständig mit Gutverdienern zu gentrifizieren, lässt sich also auch in diesem Punkt schwer leugnen.

Die Rosenheimer Sicherheitswacht

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