Rosenheim, die Stadt der Sünde

Sünde

In einer modernen und weltoffenen Stadt sollte auch für das älteste Gewerbe der Welt Platz sein. Die Rede ist vom Rotlichtmilieu. Nicht jedoch in der CSU-regierten Schildbürger-Stadt Rosenheim. Dort ist man zwar redlich darum bemüht, sich bei jeder Gelegenheit als zukunftsweisende Metropole des Inntals zu inszenieren, in Wirklichkeit entfernt man sich jedoch mit aller Kraft von diesem angestrebten Bild. Die Rosenheimer Oberbürgermeisterin hat ein neues erklärtes Feindbild: Spielgewerbe und Bordelle in der Innstraße. Diese gab es dort allerdings schon immer und bislang störte sich auch kaum jemand daran. Die Bewohner der Innstraße leben augenscheinlich in Symbiose mit dem vermeintlich verderbten Rotlichtviertel und scheinen von dessen Aktivitäten kaum Kenntnis zu nehmen.

Sünde

Wenn man es auf den Straßenverkehr bezieht, ist die gesamte Stadt ein Rotlichtviertel.

Rosenheim, die Stadt der Sünde

Führt man sich allerdings den jüngsten Artikel des im Illettrismus schwimmenden Provinzportals rosenheim24.de zu diesem Thema zu Gemüte, kann der unbedarfte Leser den Eindruck gewinnen, dass in der Innstraße nur fixende Freudenmädchen, prügelnde Zuhälter und alkoholkranke Spielsüchtige hausen würden. Vom „Sündenpfuhl Rosenheim“ ist gar die Rede. Aus welchen Gründen Frauen ihre Körper verkaufen, ist alleine deren Sache und es sollte niemandem zustehen, dies als „Sünde“ abzuurteilen. Vor allem nicht einer Oberbürgermeisterin, die längst ihre Seele verkauft hat. Wie viele Frauen darunter sind, die sich prostituieren müssen, um die Miete in Rosenheim noch bezahlen zu können, bleibt ebenfalls im Dunkeln.

Fakt ist, dass dieses Gewerbe nicht besser oder schlechter als andere ist und diese Gewerbetreibenden genauso ihre Abgaben zahlen, wie irgendein bigotter Unternehmer-Fettwanst aus dem schwarz-braunen Fanklub. Weiter kann man es als Tatsache ansehen, dass wohl kein weiterer Bedarf für Bordelle bestünde, wenn es keine Nachfrage gäbe. Diese Nachfrage scheint aber real zu existieren.

Selbsterklärend hat man bei der CSU kein Verständnis dafür. Mit aller Gewalt will man verhindern, dass sich in der Innstraße weitere LiebesdienstleisterInnen ansiedeln. Vermutlich würde man die Unzüchtigen am liebsten mit Mistgabeln und Fackeln aus der Stadt treiben oder sie gleich auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Die Ewiggestrigkeit trieft wieder einmal aus allen Ritzen der Stadtverwaltung, wie das Fett aus einer aufgeplatzten Weißwurst. Ein passendes Motto für diese Hexenjagdkampagne könnte lauten: Inzucht statt Unzucht.

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Damit soll in Rosenheim bald Schluss sein.

Was Sünde ist, liegt wohl im Auge des Betrachters

Ehrbare steuerzahlende Gewerbetreibende werden der Verächtlichkeit preisgegeben, weil sie nicht ins biedermännische Konzept der Stadt Rosenheim passen. Die „Veränderungssperre“ des Stadtrats, kommt de facto einem politisch motivieren Berufsverbot gleich. Derartige Repressalien sind bereits aus der dunklen Vergangenheit bekannt, als man beispielsweise Homosexuellen verbot, ihren Beruf auszuüben. Die Stadtführung will mündigen Bürgern ihre zurückgebliebene Weltanschauung aufdiktieren, um die eigene Inkompetenz und permanente Fehlplanung zu überdecken. Als hätte man in der Hauptstadt der Schildbürger keine anderen Probleme.

Die bezahlte Fleischeslust wird nicht als Notwendigkeit angesehen, sondern als Schandfleck des Frevels stigmatisiert. Vielleicht liegt dies einfach darin begründet, dass der durchschnittliche verklemmte CSU-Heini mit dem Thema Sexualität überhaupt nichts anfangen kann.

An Erektiler Dysfunktion leidend und mit dem obligatorischen Stock im Rektum (dieser ist Aufnahmekriterium bei der CSU) erklärt man ein natürliches körperliches Bedürfnis zur Sünde. Anstatt christlicher Nächstenliebe für Prostituierte, gibt es gelebte Prüderie im Namen des Herren. Die Angst vor dem Unbekannten treibt der Oberbürgermeisterin und ihren Hofschranzen den Schweiß auf die Stirn. Etwas anderes als den sonntäglichen ehelichen Sex, sowie ausschließlicher Missionarsstellung im Dunklen bei geschlossenen Fenstern und mit zugehaltenem Mund, darf es nicht geben. Vorher muss natürlich das Kreuz an der Wand mit einem Tuch abgehängt werden, damit der Herrgott beim schändlichen Sittenverderbnis nicht zusehen muss.

Danach informiert man umgehend den Pädophilen seines Vertrauens und schüttet sein beschmutztes Herz im nächstgelegenen Beichtstuhl aus.

Die CSU auf ihrem mittelalterlichen Kreuzzug gegen Rosenheimer Bordelle

In gewohnter Manier wird nach unten getreten und neben Obdachlosen, sollen nun auch Prostituierte und ihre Luden aus der ach so schönen Perle des Inntals verschwinden. Man wolle eine „städtebauliche und wirtschaftliche Fehlentwicklung ausschließen“. Eine in diesem Zusammenhang diskriminierende Äußerung, die durchaus faschistoide Züge aufweist. Auch die Bezeichnung „unangebrachte Vergnügungsstrukturen“ passt wieder einmal wie die Faust aufs Auge. Denn bei der CSU ist Vergnügen seit je her unangebracht. Es sei denn, es geht darum, mit der AfD Sekt zu saufen oder sich im ausgebauten Privatkeller von der Domina im Nonnengewand mal so richtig auspeitschen zu lassen. Nur wenn mal wieder einer der Kreuzritter tot im Hotelschrank hängt, weil er sich versehentlich bei der kranken Selbstbefriedigung stranguliert hat, dann bröckelt die Fassade. Wetten und Pimpern ist bei der CSU dagegen tabu.

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Die Kreuzritter der CSU im ewigen Kampf gegen das Böse.

Treffenderweise will man dem gottlosen Untreiben nun „einen Riegel vorschieben“. Welch passende Metapher in diesem Zusammenhang. Vielleicht würde es schon reichen, sich beim nächsten Doktorspielchen durch den Stadtproktologen einfach mal den Riegel aus dem Anus entfernen zu lassen.

Die vorgeschobene Moral dient nur als Ablenkungsmanöver

Man sollte erwägen, in Zukunft nur noch Puppenbordelle in Rosenheim zu betreiben. Noch besser wäre es allerdings, zukünftig gleich die Stadtverwaltung mit Sexpuppen zu besetzen. Diese wären billiger, würden über eine wesentliche höhere Sozialkompetenz verfügen und obendrein auch noch mit besserem Aussehen und höherer Intelligenz punkten.

Zitat von rosenheim24.de:

Da aber Vergnügungsstätten, Bordelle und vergleichbare Nutzungen nach Auffassung der Stadtverwaltung die Bewohner der Innstraße erheblich stören und negative Auswirkungen auf Wohn-, Einzelhandels- und Dienstleistungsstrukturen haben und somit gleichzeitig die positive Entwicklung des Stadtbereiches hemmen, können diese Einrichtungen auf die Innstraße und Nachbargrundstücke zu einer Niveau- und Imageverschlechterung führen.

Abgesehen von der dargebotenen grammatikalischen Minderleistung wird spätestens hier klar, worum es wirklich geht: Die Tafelsilberverkäufer haben vor, nun auch die Innstraße zu gentrifizieren. Zur fadenscheinigen Argumentation schiebt die autokratische Stadtverwaltung den Bewohnern der Innstraße kurzerhand die eigene Auffassung unter und prügelt mit der moralischen Keule auf das dreckige Rotlicht- und Glücksspielgewerbe ein. Der Umbau der Stadt, in ein glänzendes Altersheim für den Geldadel, ist also weiterhin in vollem Gange und fordert seine Opfer. Die abschließende Frage ist nur, welcher Schandfleck der Sünde als nächster an der Reihe sein wird.

In der Zwischenzeit muss das Provinzportal wohl seine sehnsüchtigen Blicke wieder in die Waldkraiburger Ecke schweifen lassen und ausgiebig über seinen Star „Natalie Hot“ oder irgendwelche „Pornopaare“ berichten. Hauptsache, es macht klick.

Rosenheim, die Stadt der Sünde

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